Ablauf Coaching/Psychotherapie Hypnosystemisch
Ablauf der Psychotherapie / Coaching[1]
Einführung; Beratungs- und Heimatsystem (Klientensystem)
Die drei Basiskonzepte der Therapie sind abgeleitet aus der Systemtheorie, der Erickson`schen Hypnose und dem Konzept der Lösungsorientierung. Der Text ist im Wesentlichen von Dr. Gunther Schmidt, der auch das Wort „hypnosystemisch“ erfunden hat ist modifiziert.
Auch jede Theorie leitet ihren Sinn und ihre Nützlichkeit letztlich daraus ab, dass sie als zieldienliches Mittel zum Zweck in effektive Handlungen umgesetzt werden kann und wie die Überlegungen praktisch umgesetzt werden können, dass Therapie und Beratung als professionelle, erfolgswirksame Dienstleistung angeboten werden kann.
Eine primäre wichtige Unterscheidung damit eine Intervention wirken kann sind das Beratungs- und Heimatsystem. Das Beratungssystem ist die Voraussetzung für, dass die angebotenen Interventionen im Heimatsystem der Klienten (Denkweisen Motivation, Vorannahmen, Erwartungen, Werte, Glaubenssätze) wirksam sein könne.
Beim Aufbau des Beratungssystem (Kybernetik 2. Ordnung) prüft der Coach / Therapeut zusammen mit dem Klienten ob die „Chemie, Wellenlänge“ stimmt und wie ein zieldienliches, konstruktives Arbeitsbündnis hergestellt werden kann. Dazu brauchen wir gegenseitige transparente Informationen. Dieser Prozess läuft kontinuierlich begleitend. Z. B. Ein Patient / Coachee hatte unter der einstigen Situation gelitten, ist „ausgestiegen“ und möchte nun, dass alles wie früher wiederhergestellt wird. Hier wäre zu prüfen, inwieweit sich – wenn die Ziele erreicht und umgesetzt werden würden – sich das Problem nicht wiederholt. (Zielkonflikt) Lösungsangebot: „Wenn zurück - dann ganz anders! „…das müsste in die neue Zielvorstellung einfließen, sonst könnte der Auftrag nicht solide bearbeitet werden, da das Problem neu erzeugt werden würde. Deshalb werden die Bedenken transparent besprochen und die Ziele (immer wieder) angepasst. (Zieldynamik). Gerade die Bezeichnung statt „Patient“ zu Klient können bereits implizit andere Wirkungen haben. Das Beratersystem betrachtet die Außenperspektive von Berater / Therapeut und Klienten (Metaebene). Wesentlich werden auch mehrere Perspektiven betrachtet, verglichen und Unterschiede mit dem Fokus auf Auswirkungen einbezogen.
Aufbaus des Beratungssystems:
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1. Ablauf und typische Phasen eines hypnosystemischen Therapie- und Beratungsprozesses
Hypnosystemisches Arbeiten wird nicht nur durch die Anwendung spezifischer Interventionstechniken effektiv, entscheidend ist auch eine entsprechende Grundhaltung dabei. Für die Ordnung der enormen Flut von Informationen, die Beraterlnnen im Laufe der Kooperation mit dem Klientensystem erhalten, und ebenso für die Planung von Interventionen, gemeinsam mit den Klientlnnen, erweist es sich als hilfreich, zu fragen in welcher Phase der Beratung / Therapie wir gerade sind und welche Interventionen sind dabei auch zieldienliche Neuinformationen?"
1.1 Phase der Klärung des Kontexts, der zur ldee der Beratung führte
Da die ldee, Beratung / Psychotherapie ein Lösungsversuch (neben vielen denkbaren anderen) ist, kommt es darauf an, wer diese ldeen entwickelt hat und welche Bedeutung dieser verliehen wird, welche Erklärungen über die Problemzusammenhänge abgegeben wurden mit welchen Vorstellungen davon, wer etwas für die gewünschte Lösung tun sollte.
Je nachdem, wie dies alles sich darstellt, bekommt die Beratung eine entsprechende Bedeutung bei den Beteiligten (z. B. Unterwerfungsritual, Schuldgeständnistribunal etc., aber vielleicht auch, würdigende Begegnung gleichrangiger, kompetenter Kontraktpartner, bei der alle gewinnen können"?).
Die Dynamik, die zur Idee ,,Beratung/Therapie" führte, kann als sehr wirksame, Rahmensuggestion dafür wirken, was dieses Ereignis bedeutet und welche Auswirkungen auf Rang, Anerkennung von bisherigen Beiträgen etc. es haben kann. Dementsprechend werden dann alle Beiträge der Therapeutlnnen und Beraterlnnen interpretiert, unabhängig davon, was diese sich selbst dabei gedacht haben. Deshalb werden die Erwartungen und Definitionen der Beteiligten geklärt und mit den KlientInnen Möglichkeiten der Kooperation herausgearbeitet werden. Auch der Fokus auf Auswirkungen bei Veränderungen wäre dann zu klären und inwiefern die eigene Akzeptanz und die der Beteiligten als Lösung auffassen bevor eine Intervention angeboten wird. (Etablierung des Beratungssytems). Diese Prüfung des Beratungssystems wird eine Aufgabe über ihren gesamten Ablauf hin sein.
1.2 Phase der Auftragsklärung und der Entwicklung von imaginationsfähigen Zielvisionen
Aus Erickson'scher Sicht ist die differenzierte Entwicklung von Zielbeschreibungen und mit ihnen verbundenen Visionen eine für den Erfolg der Kooperation entscheidende Aufgabe.
Alles Erleben ist ein Ergebnis von Aufmerksamkeitsfokussierung
Die gewünschten Ziele können umso eher und wirksamer erreicht werden, je differenzierter in Details des Erlebens sie beschrieben werden können, denn dann sind sie fokussierbar und imaginierbar, und dies wieder macht sie erst realisierbar. (Beschreibung der Musterelemente)
Damit eine Zielbeschreibung erfolgswirksam sein kann, muss aber unbedingt bestimmten Kriterien folgen: Es muss dabei immer beschrieben werden, was sinnlich konkret im Zielerleben da ist (nicht, was dann weg ist), was dann beginnt (nicht, was dann aufhört) und wie dies internal und interaktionell festgestellt werden kann. Hier bereichert das Konzept der Lösungsorientierung das hypnosystemischen Konzept.
Die Zielbeschreibung ist deshalb nicht nur eine Abklärung dafür, dass man dann mit der Intervention beginnen kann und damit eine zentrale Phase. Die Zielklärung wird so zur Imagination des Zielerlebens. Die Zielfokussierung ist gerade in Zeiten der Instabilität wichtig. In dieser bleibt nur die Entwicklung von Visionen, das Vertrauen auf Intuition, die Sensibilisierung für die Wahrnehmung aktueller Gegebenheiten und das bewegliche Sicheinlassen auf jede noch so kleine Veränderung. Der Kurs entsteht also aus der schrittweisen, wechselseitig aufeinander bezogenen Abstimmung von Zielvorstellungen und den vorgefundenen Bedingungen. Typische Fragen hier können sein z. B.:, Woran würden Sie (oder werden Sie...) merken, dass die gewünschte Entwicklung endlich geschehen ist, für welche Sie hierher kommen? Und: woran werden es andere merken, und wie werden sie dann reagieren? Was löst das dann wieder bei Ihnen aus, sodass Sie sagen können…?
Manchmal reicht es sogar aus, nach differenzierter Zielklärung die Klientlnnen einzuladen, in ihrem Alltag immer wieder genau dieses gerade entwickelte Wunscherleben zu reaktivieren oder zu beobachten, wann es spontan, unwillkürlich auftritt. Fokussieren die KlientInnen ihre Aufmerksamkeit auf diese Prozesse, realisieren sie genau diese dann oft schon als wirksam, sodass die Zielklärung bereits zum gewünschten Erfolg führte. Sehr vorteilhaft wirken die beschriebenen Prozesse der Zielentwicklung auch deshalb, weil sie meist schon unmittelbar erlebbar machen, dass etwas vom Gewünschten zugänglich ist, das also etwas in die gewünschte Richtung veränderbar ist.
1.3 Phase der Ausnahmen und Fokussierung auf ,Lösungserleben " bisher - Aufbau von Hoffnung und Selbstwert
Nach detaillierter Zielentwicklung sollte der Blick gemeinsam auch in die Vergangenheit gerichtet werden, aber nicht in die der Problemepisoden, sondern in die der Episoden, in denen schon einmal Ähnliches erlebt wurde, wie es in der Zielvision beschrieben wurde, oder in die sonstiger hilfreicher Episoden (am besten in der nahen Vergangenheit). Solche findet man praktisch immer, auch wenn sie bisher aus dem Er- leben der Betroffenen dissoziiert waren. (Ressourcen)
Sie bestätigen erlebbar die Sicht, dass die Kompetenzen schon im Erfahrungsrepertoire der KlientInnen vorhanden sind. Damit verändert sich der Charakter der Beratung sofort sehr deutlich. Dies sollte aber auch offiziell so herausgehoben werden, i. S. v.: , Die wichtigste Bedeutung der Beratung ist es, den Kontakt zu den schon vorhandenen Ressourcen herzustellen." Damit wird die Beratung zum Kontext von Wertschätzung und Aufwertung und nicht (wie sonst so oft) zum Ritual des Eingestehens i. S. v.: Wir haben was falsch gemacht...
Man kann dabei z. B. dazu einladen, die bisherigen Erfahrungen daraufhin zu betrachten, was es bei ihnen an Bewahrenswertem gibt. Für die Suche nach solchen Lösungsepisoden eignen sich besonders gut Skalierungen. Sie ermöglichen schnell und flexibel (d. h. relativ inhaltsfrei und dafür mehr prozessorientiert) die Entwicklung von Unterschieden (= Information über die Dynamik der Systemorganisation, insbesondere über die Möglichkeit von zieldienlichem Vorgehen). Dies fördert quasi automatisch eine optimistischere Perspektive („ Gestaltung ist möglich...") [nach Gregory Bateson: „Der Unterschied der einen Unterschied macht.“]
Mit den gleichen Strategien wie bei der Zielentwicklung können die Erlebnisprozesse, welche mit den hilfreichen Episoden einhergingen, detailliert beschrieben und dabei ebenfalls intensiv reaktiviert werden, sodass sie nicht mehr nur Vergangenheit sind, sondern erlebte Gegenwart werden. Auch dies macht für die Klientlnnen überzeugend erlebbar, dass gewünschte Veränderung möglich ist. Das wirkt sich meist auch sehr positiv auf ihr Selbstbild aus, denn es macht ihnen wieder klar, dass sie viel mehr nutzbare Potenziale in sich tragen, als sie bisher von sich dachten. Solche Erfahrungen, die man praktisch in jeder Beratung und Therapie machen kann, wenn man nur konsequent darauf fokussiert, bestätigen deutlich die Potenzialhypothese. (Alle Ressourcen sind bereits im Erlebnisrepertoire vorhanden.)
Um passende Interventionen ableiten zu können aus der Betrachtung von Lösungsepisoden, sollte unterschieden werden:
a) Ausnahmen/Lösungsepisoden werden erlebt mit bewusst-kognitiver Wahrnehmung der hilfreichen Beiträge. In solchen Fällen sollte intensiv und detailliert darauf fokussiert werden, wer dabei was, wie, mit wem/ohne wen, wann, wie oft, wie intensiv, wo, wie lange etc. gemacht, gedacht, gefühlt etc. hat. Daraus können sofort eventuelle nächste Schritte („Mach mehr davon..." etc.) abgeleitet werden. Solche Schritte ergeben nur dann Sinn, wenn jemand schon bewussten, willkürlichen Zugang zu seinen entsprechenden Handlungsmöglichkeiten hat, sonst würde er sie nur als Überforderung ansehen und eventuell entmutigt werden.
b) Die unwillkürlichen Lösungsepisoden werden erlebt als „Es kam, ich weiß nicht wie..." etc., d. h., die Kompetenz ist dissoziiert aus dem bewussten Erleben. Dies sollte behandelt werden als Information über die momentan vorherrschende Systemorganisation: dass die gewünschten Kompetenzen quasi auf der unwillkürlichen Trance-Ebene bereitliegen, also zwar grundsätzlich wirksam und verfügbar sind, aber nur auf der unwillkürlichen Ebene, mithin noch ohne bewussten, willkürlichen Zugang.
Dementsprechend sollte eingeladen werden zum Rekonstruieren dieser unwillkürlichen Kompetenz, z. B. durch Angebote hypothetischer Fragen wie: ,, Was am ehesten könnten Sie dabei gedacht, gefühlt, sich gesagt haben, wie viel Spielraum könnten Sie sich dabei erlaubt haben...?“
Als Interventionen bewähren sich hier oft Beobachtungsexperimente. Die Klientlnnen werden eingeladen, im Alltag einfach unverbindlich zu beobachten, ob und wann etwas vom Gewünschten auftritt. Dadurch wird ihre Aufmerksamkeit selektiv auf diese angestrebten Abläufe fokussiert, sie treten so mit höherer Wahrscheinlichkeit auf. Oder man lädt ein dazu, dass die Klientlnnen Einschätzungen vornehmen, ob und wann die gewünschten Entwicklungen einmal auftreten könnten. Auch dies fokussiert in ähnlicher Weise die Aufmerksamkeit. So oft als irgend möglich sollte angestrebt werden, aus den Beratungen heraus Experimente für den Alltag abzuleiten.
Auch Rituale oder symbolische Interventionen (z. B.: ein Symbol mit sich tragen, das für eine bestimmte Kompetenzressource steht, können diesen Transfer nachhaltiger werden lassen, schon deshalb, weil so die Aufmerksamkeit auch im Alltag mehr auf die gewünschten Prozesse gelenkt bleibt. (Anker). Praktisch immer ist es vorzuziehen, sich auf die Entwicklung nächster kleiner Schritte zu konzentrieren. Dadurch wird gewährleistet, dass die Beteiligten schneller wieder ein hilfreiches Erleben von Kompetenz entwickeln; denn Kompetenz ist nicht statisch, sondern wird immer erfahren, wenn die gestellten Aufgaben mit den gerade subjektiv erlebten Fähigkeiten auch bewältigt werden können. So können jeweils Schritt für Schritt, lösbare Probleme" (oder besser ,,lösbare Aufgaben") konstruiert werden.
Um entscheiden zu können, was die jeweils sinnvollen nächsten kleinen Schritte sein können, sind Beraterlnnen unbedingt auf das Feedback ihrer KlientInnen angewiesen. Das Feedback bestimmt jeweils, ob das Angebot der BeraterInnen adäquat war. Nicht die BeraterInnen mit ihren guten Absichten definieren was „gut“ war. Die Bedeutung der Botschaft bestimmt immer der Empfänger der Botschaft, nicht der Sender").
Sehr nützlich kann es auch wirken, die unklaren Abläufe als unwillkürliche ,Quasitranceprozesse" zu beschreiben und dazu einzuladen, sie bewusst zu rekonstruieren. Hierzu können der Vergleich und die Unterschiedsbildung der Musterelemente zur Informationsgewinnung erfragt werden. (Realitätskonstruktionsmodell). Dadurch werden einerseits die bisher gerade per Unwillkürlichkeit problemstabilisierenden Prozesse nicht nur erhellt, sondern auch durch mehr Willkürlichkeit relativ geschwächt. Die Klientlnnen werden außerdem so wieder gestärkt in ihrer Metaposition und erleben mehr Wahlfreiheit.
c) Werden keine gewünschten Episoden berichtet.
Es sollte geprüft werden, welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden sollen.
Grundsätzlich denkbar sind dann folgende Möglichkeiten:
- Die Klientlnnen sehen dennoch eine direkte Veränderung als möglich an, dann sollte diese angestrebt werden. (Konjunktiv)
- Oder: Es erscheint den Klientlnnen noch zweifelhaft, ob Veränderung möglich ist. Dann kann ein Kontraktangebot (Beratersystem) sinnvoll sein im Sinn eines gemeinsamen „Forschungsvorhaben" mit dem Ziel, zu prüfen, ob Veränderung möglich wird und dann zu entscheiden, wie weiter zu verfahren wäre.
- Oder: Veränderung wird trotz des Wunschs danach eher als unwahrscheinlich angesehen. Dann ist zu empfehlen, diese schwere Situation sehr empathisch zu würdigen, Anteilnahme auszudrücken und anzubieten, ob es sinnvoll sein könnte, sich in der Kooperation mit den Beraterlnnen auf Möglichkeiten optimalen Copings (= Umgang mit dem nicht direkt Veränderbaren) zu konzentrieren. (Restriktion)
- Oder: Es wird deutlich, dass die KlientInnen die Therapie bzw. Beratung eigentlich nicht sinnvoll finden. Dann waren Würdigung dafür, wie bis- her schon mit der schweren Situation umgegangen wurde, angebracht und Anerkennung für die Fähigkeit, sich so klar werden zu können über die Situation und darüber, dass ,Sicharrangieren mit dem Problem" wahrscheinlich wirklich das Beste sein dürfte. Dann aber sollte angeboten werden, unter diesen Umständen die Therapie bzw. Beratung doch zu beenden, um den Klientlnnen von ihnen als sinnlos angesehene Maßnahmen zu ersparen.
1.4 Vergleiche von Problem-und Lösungsmustern (Unterschiedsbildung)
In dieser Phase wird, wann immer dies die Klientlnnen zubilligen, mit Bedacht versucht, nicht die Problemvergangenheit, sondern die Kompetenzvergangenheit zu fokussieren. Das Motiv dafür ist selbstverständlich nicht, die Probleme zu bagatellisieren. Es wird hier auch nicht empfohlen, auf Gespräche über die Probleme so weit als möglich oder gar ganz zu verzichten.
Die Klientlnnen erwarten meist sehr wohl, dass ihre Probleme ausführlich beleuchtet werden, und fühlen sich nicht wertgeschätzt, wenn man das versäumt. im hypnosystemischen Ansatz werden systematisch auch Betrachtungen der Problemmuster angeboten. Der Vergleich von Problem- mit Lösungsmustern bietet große Vorteile. Da die KlientInnen sich üblicherweise ohnehin im problemabsorbierten Bewusstseinszustand befinden, ermöglicht dieses Problem-Lösungsmuster-Vergleichen ein wesentlich stimmigeres Pacing ihrer Einstellungen und Erwartungen (,, Man muss doch das Problem verstehen…").
Außerdem gibt es kaum eine hilfreichere Bildung von Kontrasten, welche die relevanten Elemente eines Lösungsmusters konstruiert erhellen, als die zwischen Lösungsmustern und den gegensätzlichen Problemmustern. Wichtig ist auch: Durch eine Betrachtung der Problemmuster wird verstehbar, welche Glaubenssysteme, Rituale, wichtige Regeln etc. praktiziert werden, wenn man ein solches Muster lebt. Damit werden diese Muster besser gewürdigt, und eventuell Wichtige, aber verdeckte Ziele, die durch die Problemmuster erreicht werden sollten, können besser berücksichtigt und mit in die letztlich stimmige Zielentwicklung einbezogen werden. Sinnhaftigkeit und Kompetenz in den Problem- mustern können so herausgearbeitet werden. Auch hier kann das Realitätskonstruktionsmodell aus als ideale Suchhilfe genutzt werden. Systematisch können alle denkbaren Ebenen von Musterelementen, interaktionelle und internale, wie in einer Bilanz geprüft werden daraufhin, welche Unterschiede in ihnen zu finden sind bezüglich Problem- und Lösungsmuster. Aber auch der Fokus auf Auswirkungen/Konsequenzen und der Vergleich ist ein wesentlicher Markstein im Konzept.
Auch dieser systematische Vergleich wirkt wieder an sich schon als wichtige Intervention. Die Problemmuster sind gerade dadurch charakterisiert, dass sie mit einer intensiven Assoziation zu ungewünschten Prozessen und einer deutlichen Dissoziation von gewünschten einhergehen. Die kontinuierlichen Vergleiche zwischen Problem- und Lösungsmustern sind nur möglich, wenn man dabei eine Metaposition einnimmt, die auch eine Auflösung der starken Problemassoziation, also mehr Durchlässigkeit, und eine Vernetzung mit den Lösungsmustern entstehen lässt. So wird schon der Vergleich zur systematischen Intervention im Sinne der Transformation des Problemmusters zur Tranceexduktion.
Vergleiche können in vielen Variation vorgenommen werden, z. B. durch zirkuläre Fragen, metaphorische Vergleiche, Fragen danach, wie man das Problem verschlimmern könnte (Kopfstandmethode), Externalisięrungen, Vergleich der Lösungsversuche in Problem- und Lösungsepisoden, vergleichende Systemskulpturen und Choreografien oder dadurch, dass man die Problemmuster beschreiben lässt, als seien sie Teile von genau choreografierten Ritualen. (Seiten-/Teilemodell von Virginia Satir)
Da Problemmuster gekennzeichnet sind durch vorherrschende unwillkürliche Prozesse und deshalb ,Problemtrancen" genannt werden können, kann ein solches Vorgehen auch als das Gegenteil einer Tranceinduktion, nämlich als Exduktion aus der Problemtrance bezeichnet werden, (Selbstverständlich wird jede Exduktion auch wieder zu einer Induktion, da sie ja zu einer anderen Erlebnisweise führt).
1.5 Bewusst-unbewusst-Dissoziationen, Fokussierung quf intuitives Wissen und körperorientierte Interventionen
Die Probleme werden ja so erlebt, als ob man keinen direkten Einfluss darauf haben würde.
Dies gilt speziell für Muster, die man als Sonderform von Sichbeklagenden-Mustern beschreiben kann, nämlich solche, bei denen man unter ungewollten unwillkürlichen Prozessen im Innern leidet. Z. B. Panikattacken, Zwängen, Depressionen etc. Das Ich" erlebt sich dabei als Opfer, nun aber nicht von Tätern von außen, die , Täter" sitzen vielmehr quasi im eigenen Inneren.
Hier erweist es sich als sehr nützlich, Interventionen anbieten zu können für den Umgang mit den eigenen unwillkürlichen Prozessen. Dafür werden oft gezielt Sprachmuster angeboten, die ein gleichzeitig auf mehreren Ebenen wahrgenommenes Erleben („Mehr-Ebenen- Erleben") unterstützen sollen. So kann auf das Gewünschte systematisch und intensiv fokussiert werden, ohne dass dies sich antagonistisch gegen das gerade noch vorherrschende Erleben auswirken müsste.
Dafür dienen typischerweise Formulierungen, die ein Sowohl-als-auch anstelle eines Entweder-oder anbieten. Selbst wenn jemand bisher keinerlei Zugang zu hilfreichen Ressourcen erleben konnte, helfen solche Angebote oft, schnell Zugang zu solchen Erfahrungen zu erleben, wenn man jemand nur achtungsvoll da- bei unterstützt, einerseits die bisherigen Sichtweisen beibehalten zu dürfen und gleichzeitig nach Alternativen zu suchen. Auch hier ist der Fokus auf intuitives Wissen sehr nützlich, auf Instanzen innerer Stimmigkeit. (somatische Marker). So kann fokussiert werden auf das, was man intuitive Kompetenz oder, kluge intuitive Steuerungsinstanz in uns" oder „organismisches Wissen" nennen könnte.
Schon diese Art der Fokussierung bewirkt in den meisten Fällen, dass die Menschen, die sich damit beschäftigen gelassener, kraftvoller, zuversichtlicher, selbstbewusster werden. Auch dieses intuitive Erleben kann nachhaltig aktiviert werden, indem man detailliert nach damit assoziierten Sinneselementen fragt.
Eine der schnellsten und wirksamsten Methoden ist der einhergehende Bezug zum Körper. Die Körperkoordination aber ist bewusst schneller beeinflussbar und auch schneller bemerkbar, wenn sie sich ändert. Dabei zeigt es sich praktisch immer, dass diese zunächst nur willkürliche Änderung der Körperkoordination nach kurzer Zeit zu einer erheblichen Verbesserung der unwillkürlichen Prozesse insgesamt beiträgt. Die Körperkoordination wirkt offenbar als starker Attraktor im Erlebnis- muster, sie zieht sozusagen die anderen unwillkürlichen Musterelemente nach sich.
Man kann ohne Abstrich sagen: „So wie man geht, geht es einem... ". Obwohl es zunächst nur ein So-tun-als-ob darstellt, wenn man während eines Symptomerlebens die als zieldienlich erlebte Körperkoordination einnimmt, bewirkt dies nach relativ kurzer Zeit meist schon eine sehr zieldienliche Umschaltung. So können sie nämlich schnell mehr willkürlich das Muster wahrnehmen und beeinflussen, welches bisher dissoziiert auf nicht beeinflussbar erscheinender unwillkürlicher Ebene das Problem stabilisierte. So können sie helfen:
a) schneller das Problemmuster bemerken und unterbrechen und
b) ein neues Transfermuster aufbauen, welches ihnen wirksam hilft, die bisherige Dissoziation zwischen Problemmuster und den hilfreichen Lösungskompetenzen aufzulösen.
1.6 Probleme und Symptome als kompetente Lösungsversuche mit Preis (Kosten-Nutzen-Analysen) - dialektische Hypnosystemik
Wenn jemand unter Problemen leidet, bewertet er seine damit assoziierten Erlebnismuster meist sehr negativ und als Zeichen von Defizit und Inkompetenz. Damit verbunden sind naturgemäß Zielvorstellungen im Sinne von, „Beseitigen" dieser Problemmuster. Gerade solche Zielvorstellungen wirken aber meist besonders problemstabilisierend. Die Vorstellung, dass in den Problemmustern etwas Sinnvolles, z. B. wichtige Anliegen, verborgen liegen könnte, erscheint dann abwegig. Die Erkenntnis, dass alles Erleben Ergebnis von Aufmerksamkeitsfokussierung ist, wird vielfach in rein lõsungsfokussierenden Konzepten so umgesetzt, dass man nur auf Lösungsmuster fokussiert und, hat man sie entdeckt oder entwickelt, die Klientlnnen sehr darin bestärkt, sie umzusetzen.
Direkt oder indirekt wird damit aber das bisherige Problemerleben weiter als Defizit behandelt. Oft wird auch, wann immer KlientInnen über wieder aufgetauchte Probleme berichten, schnell umfokussiert durch Fragen wie: ,,Und wie haben Sie es beim letzten Mal geschafft, da wieder rauszukommen?" Damit aber wird indirekt signalisiert, dass die Problemmuster weniger der Rede wert sind als die gewünschten Muster. Die Problemmuster sind aber die, in welche zur jeweiligen Problemzeit am meisten Energie fließt, mit denen die KlientInnen also unwillkürlich am meisten identifiziert sind. So wird auch signalisiert, dass ein sehr wichtiger Teil des Lebens der Klientinnen nicht so wichtig genommen wird, was diese oft sehr irritiert. Wenn man so vorgeht, werden aber Lebensprozesse weiter als Problem beschrieben, bewertet und behandelt.
Aus realitätskonstruktivistischer Sicht ist dies aber keine Wahrheit. Wenn man die Problemmuster anders beschreibt, bewertet und behandelt, können sie utilisiert werden als wertvolle Kraft und auch als Kompetenz. Da jedes Erleben oder Verhalten sich nicht nur in dem und auf das Individuum auswirkt, welches es erfährt oder zeigt, sondern immer auch Auswirkungen in Beziehungen hat, sollten die Auswirkungen sowohl der Problemmuster als auch der Lösungsmuster auf diverse Ebenen von Beziehungen (zu anderen und zu sich selbst) geprüft werden.
Lebt man ein Problem, wird man jemand anderer als wenn man eine gewünschte Lösung lebt. Im Problemmuster fühlt man sich meist schwächer, älter oder wesentlich jünger, als man es tatsächlich biologisch ist, auch kleiner, inkompetenter. Dann kommuniziert man auch anders, als wenn man sich gut, stark und kompetent fühlt. Damit gestaltet man Beziehungen anders. Durch solche Auswirkungsvergleiche ergibt sich oft rasch und überraschend für die Beteiligten, dass ihr Problemverhalten für bestimmte Auswirkungen (Ziele) ganz kompetent war und auch für andere oft sehr positive Wirkung hatte.
Insbesondere die Prüfung der Auswirkungen, die die gewünschten Lösungsmuster in den relevanten Beziehungssystemen haben würden (in den Hochrechnungen der Beteiligten), zeigen oft, dass es erhebliche und aus ihrer (bisher vorbewussten) Sicht berechtigte Ambivalenzen den offiziell selbst definierten Zielen gegenüber gibt. So stellt z. B. jemand fest, dass er, wenn ein Problemmuster aktiviert ist, viel mehr an Wünschen anderer erfüllt, sich weniger abgrenzt, andere höher einschätzt als sich oder sich viel mehr in bestimmten Beziehungen bindet als dann, wenn es ihm gut geht. Spielt er dann gedanklich durch, welche Auswirkungen es hätte, wenn er seine Lösungspotenziale dauerhaft und intensiv leben würde, wird ihm deutlich, dass dies gravierende Änderungen seiner Beziehungen mit sich bringen könnte, welche von nahen Bezugspersonen als Belastung oder Gefahr erlebt werden könnten. Dann wird aber deutlich, dass seine vermeintlich so inkompetenten Problemmuster verstanden werden können als Leistung z. B. für Loyalitätsziele, allerdings Leistungen mit einem hohen (leidvollem) Preis. Die Problemmuster erweisen sich nicht als Unfähigkeit, sondern als Lösungsversuche bei Zwickmühlen, die gerade aktiviert würden, wenn jemand seine potenziellen Kompetenzen leben würde.
So können sehr wirksame positive Konnotationen entwickelt werden, die wieder die Problemmuster ändern. Vor allem wird so aber auch meist deutlich, dass die bisher ausgehandelten Aufträge vielleicht zu einseitig waren, weil sie nicht die bisher dissoziierten unterschwelligen Ziele und Bedürfnisse berücksichtigt hatten, die mit dem Problemmuster verbunden waren. Es zeigt sich dann auch, dass die Klientlnnen sogar massive Konflikte gerade dann befürchten, wenn sie ihre Potenziale leben würden. So gesehen, erweist es sich als nicht stimmig, zu sagen, jemand habe keine Kompetenz potenziale gehabt, wenn er sein Problem gelebt hat, man müsste eher sagen, er hat sich aus guten unbewussten Gründen seine Kompetenzen verweigert, um einer Zwickmühle zu entkommen.
Seine Ambivalenzen können wieder als Kompetenz behandelt werden. Daraus ergibt sich dann, dass die bisherigen Aufträge erweitert den müssen im Sinne einer Balance von Zielen, die bislang als widersprüchlich erlebt wurden.(,Ambivalenzcoaching", Gunther Schmidt 2004). Solange diese Balance nicht beachtet wird, entwickeln Klientlnnen oft Widerstände gegen eine Kooperation für die bisher offiziellen Ziele, oder „es klappt halt nicht" mit der gewünschten Veränderung (da auf unwillkürlicher Ebene gegengesteuert wird). Auch solcher Widerstand wird dann verstehbar als Kompetenz dafür, diese Balance mehr zu beachten. Er kann dann sogar gewürdigt und sehr konstruktiv utilisiert werden. Da so die Richtung der hypnotherapeutischen Arbeit ständig oszilliert im dialektischen Spannungsfeld der Pole. Gunther Schmidt hat dieses Vorgehen „ Problem" und „gewünschte Lösung", dialektische Hypnosystemik genannt.
1.7 Ambivalenzcoaching und neue Zielentwicklung
Sollten sich durch die beschriebenen „Kosten-Nutzen-Analysen" Ambivalenzen zeigen, sollten Beraterlnnen daraus zumindest das Angebot ableiten, an der Entwicklung neuer, ganzheitlich ausgerichteter Aufträge zu arbeiten, die Lösungen für diese Zwickmühlen berücksichtigen. Dabei lässt sich immer wieder zeigen, dass die bisher als nicht vereinbar angesehenen Ziele (z. B. autonome Entwicklung einerseits und Loyalität andererseits im Sinne eines „Sowohl-als-auch“ sehr wohl kompatibel gemacht werden können. Z. B. können hier oft neue Wege der Kommunikation mit anderen Beteiligten entwickelt werden, sodass mit diesen konstruktiver verhandelt werden kann. Oder jemand kann durch die Arbeit mit seinen inneren, bisher zerstrittenen diversen ,Seiten zu kongruenterer Haltung angeregt werden, die ihm hilft, wirksamer für sich einzutreten, dabei aber so, dass auch andere mehr ge-achtet werden können. Gerade diese Phase der Therapie und Beratung erweist sich als sehr wichtig für nachhaltig kongruente Entwicklungen. Dieser Teil des Prozesses kann während der gesamten Dauer der Therapie und Beratung immer wieder relevant werden. Therapeutlnnen und Beraterlnnen sollten deshalb sehr aufmerksam mit jedem Feedback der Klientlnnen umgehen. Zum Beispiel lassen sich ,,Rückfälle“ so verstehen als unwillkürliche Kompetenz, die anzeigen kann, dass jemand im System die Entwicklung als zu schnell ansah oder wichtige Bedürfnisse noch nicht genügend beachtet wurden.
1.8 Arten der Musterinterventionen
Interventionen mit dem Ziel der Veränderung von Problemmustern werden immer gestaltet als Maßnahmen der Unterschiedsbildung, d. h. in die bisherigen Verkoppelungen bzw. Verknüpfungen von Erlebniselementen versucht man, Unterschiede oder so genannte Neuinformationen einzuführen.
- Neuinformationen sind dabei z. B. möglich auf der Ebene:
der Neu-Bewertung: von negativer Definiertem zu als besser Bewertetem (positive Konnotation); - der Neubewertung bisher sehr positiv definierter, eventuell gar idealisierter Soll-Werte, d.h. die bisherigen Soll- bzw. Ziel-Werte werden relativiert oder ganz hinterfragt. Der angestrebte Soll-Zustand kann z. B, in seiner Gestaltung verändert werden, man kann die Soll-Werte bzw. Zielvorstellungen relativieren. Sehr oft erweist es sich als besonders hilfreich, die bisherigen Zielbeschreibungen in kleinere, weniger schwere Maßnahmen zu zerlegen;
- des Verhaltens: Dies kann z. B. heißen, dass man direkt statt das bisher unerwinschte Verhalten eher teilweise oder ganz das ge- wünschte Verhalten praktiziert. Ahnliches kann bewirkt werden durch eine erfolgreiche Einladung zu einem Verhalten im Sinne von ,Mach einfach irgendetwas-anderes-als bisher..";
- der Kombination von Bedeutungsgebung bzw. Bewertung und Verhalten; z. B. ,So-tun-als-ob". Wenn sich jemand z. B. so verhält, als ob etwas Gewünschtes präsent wäre, verändert das für ihn und für an- dere die bisherigen psychophysiologischen Muster, aus dem ,So-tun- als-ob" wird häufig allmählich eine tatsächlich ganzheitlich kongruente Erfahrung.
- des Suchens nach dritten Wegen zwischen Problem und Lösung.
Dabei kann das Problemmuster auch als Lösungsversuch verstanden werden, quasi als Lösung 1, das Lösungsmuster ebenso, als Lösung 2. Man kann dann z. B. suchen nach einer Synthese zwischen beiden oder nach einem Kompromiss (Koexistenz zwischen Lösung 1 und Lösung 2). Oder aber es wird Z. B. ganz auf Lösung 1 und Lösung 2 verzichtet und etwas völlig Neues gemacht, das Feld der alten Zielvorstellungen völlig verlassen. (z.B. Tetralemma)
Die Muster lassen sich verändern z. B. i. S. v: - Musterunterbrechung (evtl. Unterlassen der Aktivierung von Ele- menten). Jemand, der bisher z. B. im Problemmuster bei Konfliktsitua- tionen oder schmerzlichen emotionalen Reaktionen zu einem Sucht- mittel griff und/oder in Kneipen oder in die Scene flüchtete, verzichtet darauf (wobei dies unbedingt ergänzt werden müsste durch andere Möglichkeiten, stützend und achtungsvoll mit seinen emotionalen Ke- aktionen umzugehen);
- Musterbereicherung (Hinzufügen). Oft sind automatisierte, un- bewusst exakt sich wiederholende Verhaltensweisen Teil des Problems. Fugt man da ein neues Element, z. B. nur eine zusätzliche Bewegungs- der ein anderes Atemmuster, hinzu, bringt das eine Kontusion in das Problemmuster, die hilft, in gewünschtere Muster umzusteigen.
- Überladen = Komplexitätserhöhung; Tendenz: Kontusion. Kann sich zu den üblichen Abläufen zusätzliche Verhaltensweisen , die wieder eine Konfusion des Problemmusters bewirken;
- Verrühren von Sequenzęn". Dabei versucht man z. B., die Reihenfolge der Ereignisschritte im bisherigen Problemmuster zu verändern (statt wie bisher: zuerst reden, dann handeln - jetzt: z. B. umgekehrte Reihenfolge; etc.).
1.9 Auswertungsschritte
In jeder Beratungssitzung immer wieder sollte eine Bilanz des jeweils bisherigen Verlaufs gezogen werden. Die Ergebnisse müssen verwertet werden dafür, daraus Rückschlüsse über den je derzeitigen Stand der Entwicklung und des Auftrags abzuleiten: .
- Was heißt das für den Auftrag heute?
- Kann er so bestehen bleiben?
- Was sind dann die jeweiligen nächsten kleinen Schritte?
- Oder ist eine Konsolidierungsphase mit Konstanz derzeit besser? (Oft sehr wichtig!) .
- Sind Modifikationen des Auftrags sinnvoll?
Immer sollten die Therapeutlnnen und BeraterInnen jedes Feedback als ein Zeichen von Entwicklung bewerten. Deshalb sollte immer wieder danach gefragt werden, was sich in der Zeit der Kooperation schon entwickelt hat, wobei jede Information - auch über nicht gewünschte Prozesse sehr wichtig ist, da sie übersetzt werden kann in Information über wichtige Bedürfnisse, die sich damit melden und so mehr auf dem Feedback beharren können; dessen Botschaften dann auch immer wie- der auf die Frage des Auftrags zurückführen; dann je nach Ergebnis entweder die bisher beschriebenen Schritte wiederholen oder aufhören. Für die Erstellung des Feedbacks bieten sich wieder besonders Skalierungen an. Wenn Lösungsschritte berichtet werden, ist es anzuraten, darauf immer wieder Bezug zu nehmen.
Lösungsschritte sollten das Zentrum der Aufmerksamkeit werden, also sollte genau erfragt werden, wie sie zustande kamen, wie sie noch leichter erreichbar gemacht werden n etc., aber auch, welche Auswirkungen sie haben, denn gerade dadurch erhält man oft Kontakt zu eventuell hemmenden Glaubenssystemen etc.
Sollten keine Fortschritte berichtet werden, ist dies eine besonders wichtige Botschaft, die wertschätzend behandelt werden sollte. Therapeutlnnen und Beraterlnnen sollten unbedingt dazu einladen. dass Erklärungen dafür gesucht werden. Aus diesen sollten die Implikationen abgeleitet werden, welche diese Erklärungen für den jetzigen Auftrag haben können. Auch Implikationen über die von den Klientlnnen erwartete Rollenverteilung in der Beratungszusammenarbeit (z. B. wer soll hier was tun, Verantwortung für Änderung etc.) stecken oft darin.
Daraus entstehen eventuell Umdefinitionen des Aufrags, z. B. „Langsamer", „jetzt noch nicht", im Extrem bis hin zu „Statt Änderung Akzeptieren des Problems trotz Leid oder hoher Kosten, damit leben lernen etc.", jedenfalls solange sich noch nicht genug Motivation und/oder Fähigkeit für Anderungen zeigen. In jedem Fall wären solche Informationen zu utilisieren als wertvolle Botschaften über die Art der Kooperationsbedingungen.
Wenn Fortschritte berichtet werden: Diese sollten sehr mit Bedeutung geladen", d. h. sehr wichtig genommen werden. Sofort sollte gefragt werden, ob man empfehlen sollte, mehr davon zu tun, um diese Entwicklung auszubauen. Man sollte aber auch vorsichtshalber gleich wieder nach eventuellen Ambivalenzen fragen (antizipieren). Dadurch kommen die TherapeutInnen und BeraterInnen aus der Projektion hinaus, ständig die Agenten einseitiger Veränderung zu sein. Wenn Ambivalenzen sichtbar werden, sollten ihre Implikationen für die Ziele und den Auftrag erhellt werden. Oft empfiehlt es sich, ,,Rückschritte"(besser: Ehrenrunden) durchzuspielen, die systemischen Bedingungen für eventuelle ,Rückschritte" oder für ,Stillstand" (den es ja nicht geben kann!) zu beleuchten, solche Entwicklungen zu proben und so antizipierend aus dem, „es passiert halt" herauszuführen hinein in ,,Wir haben es gemacht- selbstverantwortlich". Bei deutlicher Ambivalenz kann es sinnvoll sein, Rückschritte oder, Stillstand" positiv zu konnotieren und eventuell sogar vorschlagen.
1.10 Abschluss
Frühzeitig sollten schon Kriterien so genau als möglich definiert werden dafür, wann man aufhören kann mit der Therapie und Beratung (am besten nicht, wenn 100 % des Problems gelöst sind, sondern viel- leicht ca. 60-70 % oder auch 80 %). Der Abschluss sollte, wenn immer möglich, quasi ,zelebriert" werden. Damit werden sowohl die Beiträge der KlientInnen, aber auch die der Therapeutlnnen und Beraterlnnen angemessen gewürdigt. Und dies ist für zukünftige Entwicklung beiderseits die beste Förderung! Eine solche Einladung zum Abschluss von Therapie und Beratung ist deshalb sehr sinnvoll, weil der Transfer des gewünschten Erlebens in den Alltag noch nicht dadurch gewährleistet ist, dass es im Beratungskontext entwickelt wurde, denn der Alltag bietet völlig andere Kontextbedingungen. Da alles Lernen, da Gedächtnis und Verhalten aber kontextbezogen geschehen, könnte das gewünschte Erleben im Alltag wieder zurückgedrängt und dissoziiert werden.
Hinsichtlich der Umsetzung und Konsolidierung werden die Vorstellung oder die bisherigen gemachten Änderungen in die Zukunft getragen (Futur Pace) und weiter kontextlich konkretisiert, damit die Veränderung wirksam und dauerhaft bereit steht – quasi automatisch als unwillkürliche Kompetenzen:
- Was wir Sie daran erinnern? (Problemanker à Lösungswecker)
- Wann, mit wem und wie in welcher Situation
- Welche Ressourcen werden dann ganz automatisch aktiv?
- Welche Körperkoordination geht damit einher?
- Wie ist dabei die Atmung?
- Wie ist Ihre Stimme dabei
- Woran merken Sie es schon im Vorfeld
- Wie bereiten Sie sich vor?
- Welche Imagination / Situationsvorstellungen haben Sie entwickelt?
Alte ausgetretene Pfade sind sehr bekannt und automatisiert. Neu Pfade müssen häufig betreten werden, damit man diese fast schon von allein gängig sind, und diese dann auch ohne Wegweiser zum Ziel führen. (Tranceinduktion des Erwünschten auf unbewusst-unwillkürlicher Ebene)
Wie oben geschrieben aus dem hypnosystemischen Konzept von Dr. Gunther Schmidt.
Harald Rempt
7-2025
[1] Dr. Schmidt, Gunther, Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung
