Drei Gehirne von Harald Rempt
Wir sind drei!
Drei Gehirne (Reptilien- Säugetier- Großhirn) und Sprache
Unser ,,dreifältiges Gehirn“ Stamm-, Zwischen- und Großhirn und der Nutzen für Tranceprozesse werden unterschieden in willkürlich/unwillkürlich und den damit assoziierten hypnotherapeutischen Strategien. Das unwillkürliche Erleben wird vor allem von den Bereichen des Stamm- und Zwischenhirns produziert. Unwillkürliche Prozesse wirken grundsätzlich immer schneller, effektiver und auch energetisch ökonomischer (Sportler oder perfekt wirkende Musiker. Die Bewegungsabläufe sind fließender, geschmeidiger erweisen, als ob, es" wie von alleine spielen oder sich bewegen würde.) Das bewusste „Ich“ ist nur als koordinierende, steuernde Kraft, die das Ganze unterstützt. Subjektiv werden solche Prozesse meist wie automatisiert erlebt. Sie wirken umso intensiver, je mehr das Erleben der Beteiligten absorbiert. Diese sind quasi automatisiert ablaufend. Personen in diesem Zustand sind darin „versunken". Wenn diese unwillkürlichen Abläufe in Übereinstimmung erlebt werden mit dem bewussten Wollen des üblichen „Ich“, wird dies fast immer als äußerst angenehm und erfüllend und dabei ganz mühelos empfunden.
Ähnlichkeiten mit Flow-Erlebnissen sind gekennzeichnet durch ein hohes Maß an optimaler Koordination zwischen willentlichen und unwillkürlichen Prozessen, mit ausgesprochen hoher kompetenter Effektivität verbunden. Erfahrungen dieser Art drücken eigentlich nur aus, was jeder Mensch in seiner Alltagserfahrung ohnehin aus vielen Episoden kennt. Das unbewusste Wissen kann so verstanden werden als sehr wichtiger, vertrauenswürdiger Bereich, dessen hilfreiche Kompetenzen man wie eine eigenständig funktionsfähige „Abteilung" nutzen kann.
Auf unbewusster Ebene werden bei jeder Erlebnis-Episode, die emotional „geladen“ wird viele Elemente möglichen Erlebenes in hochkomplexer Weise zusammengefügt / vernetzt. Die geschieht insbesondere in den Bereichen des Gehirns, die entwicklungsgeschichtlich älter sind als die Großhirnrinde mit ihrem bewussten „rationalen“ Denken und der Sprache, Stammhirn, Zwischenhirn/ limbisches System:
Autographisches Gedächtnis und Episoden-Gedächtnis.
Was wird dann erleben (bewusst und vor allem auch unwillkürliche/unbewusst), ist Ergebnis und Ausdruck solcher neuro-physiologischer Netzwerke, die aktiviert werden und die unser Erleben steuern. Dabei kann das so gemachte Erleben wieder auf diese Netzwerke zurückwirken, oft stabilisierend bzw. sogar verstärkend. Keines der Elemente der Netzwerke ist „Ursache“ für die anderen Elemente, alle stehen in zirkulärer Wechselwirkung à lineare Kausalität greift nicht, Zirkularität ist entscheidend.
Suche nach Vergessenem „fällt es einem dann doch noch spontan,, , wie aus heiterem Himmel" ins Bewusstsein ein Es hat sich, ganz eigenständig und sehr kompetent, für einen erinnert. Auslöser für die Aktivierung eines Erlebnisses kann ein Reiz auf jedem Sinneskanal innen oder von außen sein. Er steht sprungbereit zur Verfügung und wirkt sofort. (Reiz-Reaktions-System). Sei es durch eine traumatische oder durch eine freudige Erfahrung.
Die für Handlungen, aber auch sonstiges Erleben entscheidenden Bewertungsprozesse finden vor allem im limbischen System statt, also Teilen des Gehirns, die entwicklungsgeschichtlich älter sind als die Großhirnrinde. Die Hauptfunktion des limbischen Systems, besteht in der Bewertung dessen, was das Gehirn tut“. Es steuert unser Erleben durch Gefühle als Rückmeldeverfahren, welches uns leitet nach dem Prinzip: ,,Gut oder schlecht für uns“ (duales Prinzip, nach dem Entweder-oder-Verfahren). Ohne diese Gefühlsfeedbacks ist vernünftiges Handeln unmöglich. Abb ???
Signal / Reiz aus der Außenwelt wird über die Sinnesorgane an den Thalamus geleitet. In jedem Fall wird es dann zur weiteren Bewertung und der (unwillkürlichen) Entscheidung über die jeweils adäquate Reaktion zum Mandelkern (Amygdala) geleitet, einem Kern des limbischen Systems, der zentraler Bestandteil des Gefahrabwendungssystems ist. Hier werden Emotionen und Erinnerungen verarbeitet, je nach Einschätzung und Wichtigkeit werden durch ihn Angst, Flucht, Kampfreaktionen, Todstellen ausgelöst mit allen damit verbunden sind Blutdruck, Herzschlag, Hormonausschüttungen und körperlichen Reaktionen usw.

Vom Thalamus gibt es nun verschiedene Verbindungswege zur Amygdala. Um schnellste Reaktionen zu ermöglichen, führt eine direkte Verbindung ohne Umwege zur Amygdala. Sie stellt eine sehr undifferenzierte Bewertung dar, die Amygdala-Reaktion und sie läuft auch so schnell ab, dass wir keinerlei willkürliche und bewusste Vermittlung dazwischenschalten können. Wird die Amygdala erregt, und signalisiert sie Gefahr und löst sie eine Kaskade weiterer Reaktionen z. B. des autonomen Nervensystems und des hormonellen Systems aus.
Schneller, als wir es bewusst registrieren, reagieren wird mit Abwehrreflexen, der Ausschüttung von Stresshormonen und Angriffs- oder Flucht- und Schutzreaktionen reagiert, wenn in der Amygdala die eingehenden Reize als Erinnerung an mögliche Gefahren interpretiert – sie speichert also auch gelernte Gefahrensituationen von innen und außen. Ihr Vorteil ist, dass sie uns schon Reaktionen ermöglicht, bevor wir ,,denken" können. Ein Nachteil ist, dass wir unter Stress und Angst kaum lernen können. Der Hippocampus ist eine Art Zwischenspeicher des Gehirns für die erste Aufnahme von Informationen, der in diesem Zustand inaktiv bleibt. Bildgebende Untersuchungen an Soldaten die dauerhaft massiv in Angstsituationen waren hatten einen rückgebildeten Hippocampus.
Ein anderer Weg führt vom sensorischen Thalamus zur sensorischen Großhirnrinde im präfrontalen Cortex, in der die Signale auch unter Rückgriff auf Erinnerungen, gelernte Erfahrungen, differenziert verarbeitet werden. Geprüft und eingeschätzt wird, was adäquate Reaktionen sind etc. Von dort aus wird dann auch der Hippocampus einbezogen, der für spezifische Kontextzu-ordnungen und entsprechende Gedächtnisleistungen zuständig ist. Dieser Weg erlaubt uns sehr differenzierte Beurteilungen und kontextadäquates Handeln, er ist aber wesentlich langsamer als der direkte Weg zur Amygdala.
Wenn aber jemand z.B. unter Ängsten, Depressionen oder traumatisierenden, sehr belastenden Erlebnissen leidet, ist seine Amygdala intensiv erregt und feuert viel schneller und intensiver als in einem mehr ausgeglichenen Zustand. Dadurch werden auch viele andere Bereiche des Gehirns in die Richtung dieser emotionalen Erregung beeinflusst, z.B. auch das Langzeitgedächtnis und der Kurzzeitgedächtnisbereich=Arbeitsspeicher.
Der beschriebene langsamere Weg über die differenzierende Aktivität des Cortex (Großhirn) und die wirksame Einbeziehung des Hippocampus, der hilft, ohne starke Affekte die Wahrnehmungen situationsspezifisch einzuordnen.
Ist die gesamte Aufmerksamkeit einer belastenden Erfahrung einseitig ausgerichtet, so dass sie intensiv auf damit verbundene Erinnerungen, Fantasien, Einschätzungsprozesse im Netzwerk aktiviert sind, so werden alle aktuellen Eindrücke mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder aus der Perspektive der Gefahrenwahrnehmung interpretiert, was die Angst- und Stresskaskade wieder rückbezüglich verstärkt. So baut sich ein sich aufschaukelnder Rückkoppelungsprozess auf, der besonders auf unbewusster und unwillkürlicher Ebene sehr leidvolle Prozesse mit intensiv eingeengten Wahrnehmungsprozessen aufrechterhalten.
Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren bei Menschen, die sich als massiv traumatisiert erleben, haben gezeigt, dass durch solche Prozesse die Erinnerungen in sehr verwirrender Weise fragmentiert werden. Besonders belastend scheint dabei zu wirken, dass während der Erinnerung an Traumata die Aktivität der linken Hirnhemisphäre – und da die Bereiche, die für Sprache zuständig sind (Broca-Areal), deutlich reduziert wird. Die Aktivität von Bereichen der rechten Hemisphäre - besonders im Bereich der Amygdala sind intensiv aktiviert. Die Personen sind dann oft „sprachlos“, „Ich weiß nicht was ich sagen soll.“, „Mir fehlen die Worte. Fehlt aber die Sprache, so gibt es inzwischen Forschungen wie das unwillkürliche (Säugetiergehirn) beeinflusst werden kann. Auf dieser Basis der zeigt die Hirn- und Embodimentforschung, dass sich gerade bei o.g. Zuständen, diese vom Körper her signifikant beeinflussen lassen.
Damit verbunden, werden starke emotionale Prozesse ausgelöst, die aber in wesentlichen Aspekten unbewusst ablaufen und auch nicht durch Sprache direktbeeinflusst werden können. Die durch Leid induzierenden Prozesse sind aber leider meist nicht wirksam durch die in unserer Kultur üblichen sprachlichen Prozesse erreichbar und beeinflussbar – die linkshemisphärischen Bereiche sind dabei tendenziell mehr deaktiviert (Sprache). Gerade diese Prozesse sind entscheidend beteiligt an der nachhaltigen Aufrechterhaltung der Problemmuster.
Wenn sich ein Mensch einseitig parteiisch macht für die Seite der kognitiven Funktionen, wenn deren so genannte Rationalität als die vorrangig oder allein gültige Entscheidungsbasis wird und das so genannte Irrationale aus dem unwillkürlichen Erlebnisbereich tendenziell vernachlässigt oder abgewertet wird, blockiert er damit einen ganz entscheidenden Teil seiner Wahrnehmungs- und Entscheidungsmöglichkeiten. (G. Roth und A.Damasio) |
„Die Erfahrung mit Patienten mit Hirnschädigungen lässt darauf schließen, dass die einseitige rationale kühle Strategie, die der Art und Weise entspricht, wie Patienten mit präfrontaler Hirnschädigung an Entscheidungen heran gehen, als der üblichen Verfahrensweisen der gesunden Menschen…“ (Gerhard Roth)
Das Primat des aufgeklärten, rationalen bewussten Denkens ist schlicht eine Illusion, die aber destruktive Folgen haben kann. Historisch gesehen ist die Trennung von Körper und Geist und die Bevorzugung des rationalen Geistes in der Zeit der Aufklärung entstanden: Imanuel Kant (18. Jh.), René Descartes (16. Jh.):
Cogito ergo sum cogito, ergo sum. („Ich denke, also bin ich.“) Variante: „Ich spüre, also bin ich - auch.“ (h.r.)
Die Großhirnrinde braucht also für erfolgreiche Entscheidungsfindung und Kommunikation dringend die „irrationalen“, entwicklungsgeschichtlich viel älteren Bereiche unseres ,,dreifältigen Gehirns" (Paul MacLean), Das Stammhirn und das Mittelhirn, entsprechen dem Entwicklungsstand der Reptilien, Alligators („der Alligator in uns“) - mit mehr als 200 Millionen Jahre an Geschichte) und der frühen Säugetiere. Sie sind besonders einflussreich und schnell wirksam für physiologische, aber auch für emotionale und für Entscheidungsprozesse. Auf das limbische System zu hören ist die klügste Verhaltensweise überhaupt. Die Ebene des Verstandes und der Vernunft (gemeint ist die rational-analytische Vernunft der Großhirnrinde bildete sich in der Hirnentwicklung erst sehr spät aus und erhält auch nie einen im wahrsten Sinne entscheidenden Einfluss auf das Verhalten.
Das limbische System benutzt sprichwörtlich den Verstand, um komplexe Situationen differenziert bewerten zu können, gibt aber nie die Letztentscheidung ab.“ (Gerhard Roth). Der bewusste Verstand wirkt also höchstens als eine Art Berater, der sehr nützlich und wichtig ist. Aber: Der die Entscheidungen fällende Vorstand“ der Entscheidungshierarchie sitzt im limbischen System.
Sicher kann die bewusste, willkürliche, im üblichen Sinne als rational beschriebene Seite des Funktionierens unseres Gehirns nicht mehr als die alleinige Steuerungsinstanz angesehen werden. Prozesse, die üblicherweise außerhalb der bewussten Wahrnehmung ablaufen, also von ihr dissoziiert waren, äußern sich meist durch unwillkürliche Impulse, z. B. über unwillkürliche Körpersignale, Empfindungen, Änderungen der Atmung, Verspannungen, Gefühle etc. Damasio: Somatische Marker als Feedback an das bewusste, willkürliche Erleben für stimmige Entwicklung und als Warnsignale bei Unstimmigkeit. Das heißt aber nicht, dass man jedem spontanen Impuls folgen muss.
Optimale Kooperation der willkürlichen mit den unwillkürlichen Seite. (ICH und ES) |
Angst und Wut mobilisieren im Körper (bis hin zur Hormonausschüttung, Änderung des Immunsystems etc.) alle Prozesse so, dass man Impuls- gesteuerter, starrer und eingeengter reagiert. Herrschen Angst und Wut vor, macht das Menschen schlicht dümmer, als es ihrem Potential entspricht. (obwohl sie also grundsätzlich über viel mehr Intelligenz und Kompetenzen generell verfügen könnten!!!)
Erleben/Wahrnehmung/ Verhalten wird, wie nach allen Erfahrungen diverser Beratungsmodelle auch die moderne Hirnforschung ja unmissverständlich zeigt, nicht nur gesteuert durch Prozesse der Großhirnrinde mit der bewussten Vernunft und Sprache, sondern ganz entscheidend durch unwillkürliche Prozesse aus dem Zwischenhirn (Körpersprache).Diese sind immer schneller und stärker als die bewussten, willkürlichen Prozesse der Großhirnrinde. Weshalb z.B. der renommierte Hirnforscher Gerhard Roth sagt:
„Der Vorstand im Gehirn sitzt sicher nicht in der Großhirnrinde, sondern im Zwischenhirn,
die Großhirnrinde ist höchstens ein
guter Berater“.
Man könnte auch sagen: „Die Großhirnrinde ist auch oft ein guter „Pressesprecher“, der Aktionen/Reaktionen aus dem Stamm- und Zwischenhirn als rational sinnvolle Maßnahmen darzustellen versucht.“ (G. Schmidt). Das bewusste willentliche „Ich“ und die unwillkürlichen (zu einem erheblichen Teil auch unbewussten Prozesse von Stamm- und Zwischenhirn) müssen jeweils zu einer optimalen Synergie gebracht werden. Erlebt jemand Probleme/Symptome usw., kann dies immer als Zeichen dafür gewertet werden, dass diese beiden Ebenen des Erlebens gerade nicht in Synergie zusammenarbeiten, sondern eher gegeneinander gerichtet wirken.
Da Prozesse von Stamm-und Zwischenhirn aber immer schneller und stärker sind als die der Großhirnrinde, werden sie sich dann durchsetzen gegen Willentlich-Bewusstes und …das bewusste willentliche „Ich“ erlebt sich dann als ohnmächtiges, ausgeliefertes Opfer dieser Prozesse. Deshalb: Für eine optimale Gesundheit und Kompetenz-Erleben fördernde Synergie dieser Teilbereiche sollte zentrales Ziel immer sein: Optimal ist die wirksame Kooperation zwischen willentlichem „Ich“ und unwillkürlichen Prozessen (die autonom und immer schneller und stärker wirken als alles Willentliche).
Statt Operation: Kooperation. h.r.
Multi-Sensorische Fokussierungen als Kommunikations-Brücke zwischen Kognition und Intuition[1]

Dafür müssen kognitive Prozesse durch Imagination/ ritualisierte Ideomotorik/ und viele weitere Interventionen auf allen Sinneskanälen (z.B. durch Lautmalerei, Handbewegungen, palm paradigm, Klangbilder/ Rhythmik / Mimik/ Gestik, Imaginationen, Symbolik, Ideomotorische Bewegungen, Metaphorik, Körperkoordinationen, Atmung, Düfte, Geschmack, etc.) in die Bereiche übersetzt werden, die keine Sprache haben, die aber Körperliches und Emotionales unwillkürlich umsetzen (entwicklungsgeschichtlich ältere Hirnbereiche), und Körperliches und Emotionales wiederum müssen auf die gleiche Art in Kognitives übersetzt werden.[2]
Erleben kann ja immer wieder verändert werden dadurch, dass man Unterschiede einführt in die gerade dominierenden Erlebnis-Netzwerke. Und als die Unterschiede, die am schnellsten und wirksamsten einführbar sind, erweisen sich solche, die auch willentlich körperlich gestaltet werden können. (Selbstwirksamkeit). Sie haben den großen Vorteil, dass man die Körper-Aspekte, welche mit hilfreichem Erleben vernetzt sind.
Hebb´sches Gesetz: |
auch dann willentlich aufrufen kann, wenn es einem noch schlecht geht und dies dann dennoch dazu führt, dass die angestrebten hilfreichen Erlebnis-Muster aktiviert werden und so das Erleben in gewünschter Weise transformiert werden kann. Als ähnlich wirksam erweisen sich metaphorische und symbolische Interventionen, auch sie erreichen unmittelbar die Prozesse im Zwischen- und Stammhirn. So kann unmittelbar Eigenkompetenz und Selbstwirksamkeit erlebt werden.
„Wie man geht, so geht es einem,
und wie es einem geht,
so geht man…“ n.n.
Einige Anwendungs-Beispiele:
Atmung, Mimik, Gestik, Bewegungs-Symbolik
Problem-Lösungs-“Gymnastik“ (G. Schmidt) u.v.a.
ideomotorische Interventionen
Körper (somatische Marker) als „Supervisoren“
Raumgestaltung über „palm paradigm-Hilfen“
Vom „Stummfilm“ zum „Tonfilm“ bis zum Summen
Metaphorisches Reframing
Farben, Symbole usw.
Das „Wofür“ als „Leuchtturm“….
Das Wohin als Zukunftsgestaltung
Im Konzept der Hypnosystemik[3], werden Gespräche immer ergänzt bspw. durch Angebote Kunst, Malerei, Musik, Tanz etc.
Differenzierung zwischen diversen Bewusstseins- Prozessen und „Trance“
Willentlich | |
Brainstorming, absichtliche Imagination | Übliches Alltagsbewusstsein
|
Fließend bildhaft | Struktriert |
Tranceartiges | Ideomotorik, Verspannungen, etc. |
Unwillkürlich | |
Weitere Methoden dem limbischen System nahe zu kommen
BrainGym[4] (Gymnastik für Geist und Körper)
Brain Gym wurde in den 1970er Jahren von Paul Dennison. in Erziehungswissenschaften und Gail Dennison, einer Tänzerin und Künstlerin, entwickelt. Sie kombinierten ihr Wissen, um die im Brain Gym praktizierten Bewegungen zu entwickeln.
Diese Aktivitäten sind einfach und effektiv, sie fördern Kommunikation, Konzentration und Selbstvertrauen. Ihre Anwendung macht es leichter, Stress zu bewältigen, die Freude am Lernen in jedem Alter wiederzuerlangen und die Fähigkeiten jedes Einzelnen zu fördern. BrainGym ist das Tor zur kinästhetischen Erziehung, d.h. zu einer Reihe von Bewegungen und motorischen und künstlerischen Aktivitäten, die das Potenzial jedes Einzelnen entwickeln.
Emotional Freedom Techniques (EFT)
Zu deutsch: Methode für emotionale Freiheit von Gary Craig gehört zur energetischen Psychologie für Linderung und Behandlung von Stress und psychischen Störungen durch Stimulation von Akupressurpunkten durch Klopfakupressur und verbunden mit Begleittexten wie: „Ich nehme mir Zeit dankbar zu sein.“
Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)
Zu auf Deutsch "Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung" bedeutet. Dr. Francine Shapiro (USA). Nach einem Trauma kann es zum „Sprachlosen Entsetzen“ (speechless terror) kommen. Das heißt, dass in Teilen des Gehirns Erlebnisse in einer belastenden Art und Weise gespeichert und so vom Klienten innerlich erlebt werden (oder er dissoziiert), während das Sprachzentrum aktiv unterdrückt sein kann. Der Klient kann das Geschehene kaum in Worte fassen, wodurch nachfolgend eine Verarbeitung des Erlebten erschwert wird.
Zur Bearbeitung der Erinnerung werden die Betroffenen wiederholt angeleitet, kurzzeitig mit der belastenden Erinnerung in Kontakt zu treten. Gleichzeitig wird eine bilaterale Stimulation durchgeführt: Diese besteht aus Augenbewegungen, Tönen, kurzen Berührungen des Handrückens. Dadurch scheint im Gehirn ein Informationsverarbeitungsprozess angestoßen zu werden. Schnelle Augenbewegungen während der Sitzung simulieren die Augenbewegungen, die wir im Traum in der REM-Phase machen. Da im Traum Erinnerungen sortiert und im Langzeitgedächtnis gespeichert werden, soll EMDR so Gedächtnisprozesse anregen und eine schnellere Verarbeitung ermöglichen. Die rhythmischen Augenbewegungen sollen zur Entspannung verhelfen und die bedrohlichen Erinnerungen an neutrale Reize koppeln.
Prozessorientierte Embodimentfokussierte Psychologie (PEP)
Von Michael Bohne ist der Begründer der Methode PEP, eine Weiterentwicklung der EFT, und gehört Mind – Body – Techniken und bedeutet wörtlich übersetzt Geist/Psyche – Körper, es ist ein Konzept, bei der Körper, den Geist/Psyche als eine integrierte Einheit angesehen werden. Der Körper wird einbezogen, um die Psyche zu erreichen. Es ist mehr als eine Klopftechnik.
Hierbei wird über taktile Stimulationen via Hautoberfläche (Klopfen) die erlebte Intensität von Emotionen (beispielsweise Angst, Ärger, Wut etc.) beeinflusst.
Gefühle bestehen zu einem großen Teil aus Körperwahrnehmungen. Deshalb erscheint es nur logisch, den Körper bei den Veränderungen. Sie ist Teil den bifokal-multisensorischen Interventionstechniken (wie EMDR, EMI, Brainspotting, OEI, etc.) zuzurechnen und das Resultat der konsequenten prozessorientierten Weiterentwicklung der Klopftechniken. Weil in diesen Verfahren das ist ja bis heute in den Verfahren drin eine sprachliche wichtige Intervention war die verbunden ist, die sprachliche Beziehung die sich auf Selbstbeziehung bezieht. „Ich nehme mich liebevoll an oder ich akzeptiere mich voll und ganz.“
Eine sprachliche Intervention die ganz gezielt einen Unterschied auf der Ebene der Beziehung zu sich selbst die typischerweise bei Symptome erleben sonst negativ abwerten ist. Leute mit leidvollen Prozessen machen Selbstabwertungen. Den Selbstwert-Aufbau und Selbstwirksamkeit kann man auf der Beziehung zu sich selber am schnellsten durch Sprache und Klopfen erreichen. Klopfen allein ist es eben nicht. Knackpunkt, der zwar wertvoll ist, aber gerade immer mit Sprachlichem verbunden, dies Synergie kognitiv intuitiv mit einbezieht. Sprache ist aus dieser Perspektive sehr wichtig, aber sie reicht oft auch nicht aus, umgekehrt ohne Sprache reicht auch nicht aus. Man kann sagen: Klopfen und Winken allein reichen nicht! Dazu gehört die Sprache für die optimale Kooperation zwischen Körper und Psyche/Geist.
Q 601
Selbstberührung als Sympatie zu sich selbst
Berührungen sind kulturell geformt und finden in den unterschiedlichsten Kontexten statt. Dem Haptikforscher Prof. Dr. Martin Grunwald von der Universität Leipzig zufolge fasst sich jeder Mensch täglich unbewusst 400- bis 800-mal ins Gesicht. Ein kurzer Berührungsreiz steigert die Hirnaktivität und sorgt für eine Stabilisierung des emotionalen Zustandes und führt zu einer Stabilisierung des Arbeitsgedächtnisses. Der Versuch des Organismus, nach oder während einer psychischen Irritation wieder einen Zustand der psychischen Balance herzustellen[5]. Spontane Selbstberührungen sind neurobiologische Regulationsprozesse des Organismus auf der Basis einer akuten Bedarfssituation. Zudem sind diese Bewegungen meist unbewusst und spontan: der Organismus hilft sich selbst und verbraucht bei der Initiierung von Selbstberührungen so wenig wie möglich Aufmerksamkeitsressourcen.
Mögliche Motive für Selbstbrührungen:
- Scham, Verlegenheit oder Angst
- Bedürfnis nach Geborgenheit, sofern die Gesten sich in sanfter Form wie leichtes Massieren oder Streicheln zeigen
- Liebeswerben: hier treten sie vermehrt als positives Flirtsignal auf
- Nachdenken, wenn wir uns bspw. mit dem Zeigefinger im Gesicht berühren
- in Kommunikationssituationen zeigen introvertierte Menschen vermehrt Beruhigungsgesten
Berühren wir uns vermehrt selbst und zeigen damit, dass wir uns beruhigen, manchmal wirken wir inkompetent und unsicher. Allerdings erzeugen wir damit in dosierter Form auch Sympathie und zwischenmenschliche Wärme.
Arten von Selbstberührungsgesten – einige Beispiele:
- Kratzen oder Berühren im Gesicht, am Hals oder Nacken
- mit den Haaren oder dem Bart spielen
- Lippen lecken, beißen oder einsaugen
- mit Daumen und Zeigefinger das Ohrläppchen kneten
- mit den Handinnenflächen über die Oberschenkel streichen
- Mit der Zunge im Mundraum spielen
Spontane Selbstberührungen sind neurobiologische Regulationsprozesse des Organismus auf der Basis einer akuten Bedarfssituation. Zudem sind diese Bewegungen hochgradig unbewusst: der Organismus hilft sich selbst und verbraucht bei der Initiierung von Selbstberührungen so wenig wie möglich Aufmerksamkeitsressourcen. Manchmal sind Selbstberührungen einhergehend mit inneren Dialogen oder Texte die hörbar gesprochen werden – also mit Sprache.
Anmerkung:
Es könnte auch sein, dass Hautcremes einen besonderen Zweck erfüllen, um sich zu berühren oder zu steicheln.[6]
Organisationsdynamik bei Symptomen/ Problemen
Das Willentliche kämpft vergeblich gegen Unwillkürliches und wird Opfer. Das Unwillkürliche (Problemtrance und Ideomotorik, Verspannungen etc.) wird als stärker erlebt und setzt sich durch.
Organisationsdynamik für „Lösungen:
Das Zusammenwirken ist die Kooperation des Unwillkürlichen mit dem Willkürlichen. Das kann einerseits durch Brainstorming und absichtliche Imagination sein. Anderseits durch die wie o.g. vielfältigen Möglichkeiten auf allen Sinnesebenen.
Hypnosystemische Perspektive
Indem dabei schon von „positiven“(und damit implizit auch von „negativen“) Emotionen usw. gesprochen wird, aktivieren sieeventuell auch auf diese Weise Netzwerke antagonistischer Kämpfe zwischen diesen so benannten Teilbereichen in der Gesamtpersönlichkeit. Aus dieser Sicht gibt es keine „negativen“ oder „positiven“ Emotionen, sondern nur Emotionen, die alle als wertvolle Kompetenzen für diverse Kontexte und Ziele im Laufe der Evolution entwickelt wurden und somit alle sehr nützlich sein können.
„Ein gutes „schlechtes Gefühl“
Gefühle, Emotion sind Botschafter für wichtige Informationen über Bedürfnisse.[7] Sie haben keine Sprache (limbisches Gehirn) deshalb brauchen wir einen Übersetzer. Alle vom „Glücks-Erleben“ gerade abweichenden Erlebnisprozesse sollten deshalb aus hypnosystemischer Sicht übersetzt werden als wertvolle Informations-Feedback- Schleifen, die auf wichtige Bedürfnisse hinweisen, bei denen gerade ein Mangel erlebt wird wenn z.B. beim Autofahren der Sicherheitsgurt nicht angelegt ist und ein störendes akustisches Signal ertönt, würde man dies auch nicht als „negatives“ Zeichen und als Defizit ansehen, auch wenn „es stört“, sondern als wertvollen Hinweis darauf, etwas so zu ändern, dass „es“ wieder für den erlebenden Beobachter stimmt. Hier sind Beispiele für Gefühle[8] und den daraus zeigenden Bedürfnisse:
Einsamkeit | Ich will mich verbunden fühlen. |
Wut | Abgrenzung und Druchsetzen. Meinungen äußern. |
Angst | Sicherheit, Handlungsfähigkeit |
Ohnmacht | Kontrolle haben, handlungsfähig sein |
Stolz | Ich habe eine Leistung erbracht, die ich wertschätze |
Wir können viele sein (Seitenmodell)
Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu. n..n
„Er ist so.“ ist eine Fest-Schreibung und Fest-Stellung wie ein Mensch überdauernd wäre. Eigenschaften werden so einem Menschen zugeschrieben. Das kann aus hypnosystemischer Perspektive widerlegt werden, da Menschen in verschieden Kontexte andere Eigenschaften zeigt. Deshalb würde man über einen sonst „braven“ Jungen der plötzlich wütenden wird sagen: „In dieser Situation, diesen zeigt sich der Junge wütend.
Aus hypnosystemischer Sicht sind Menschen im positiven Sinne „multiple Persönlichkeiten“. Die jeweilige Aufmerksamkeitsfokussierung bestimmt darüber welche „Persönlichkeitsvariante“ von einem Menschen gerade aktiv ist. Ähnlich haben wir auch nicht nur eine Vergangenheit oder Zukunft, sondern ein ganzes Pool an unterschiedlichen Erlebnisnetzwerken. „Je nachdem welche in uns gerade feuern erleben wir diverse Gegenwarten.“ Nach dem Hebb`schen Gesetz: „Zellen, die miteinander feuern, vernetzen sich“, kann früher Erlebtes durch bestimmte Trigger (Bilder, Geruch, Musik, Mimik,...) in der Gegenwart reaktiviert werden. Dies kann dazu führen, dass jemand zum Beispiel sehr assoziiert (verbunden) mit seinem momentanen Gefühl oder Leiden-Ich ist. Damit einhergehend würde sich seine Wahrnehmung einengen, er/sie würde vielleicht eher dazu neigen in Schwarz-Weiß Kategorien zu denken und er würde vielleicht eher dunkle Episoden seines Lebens erinnern, in denen etwas Misslungen ist. Umgekehrt könnte man sehr assoziiert mit seinem Kompetenten Ich fühlen was ein ganz anderes Körpererleben nach sich ziehen würde, was wiederum eher positive Erinnerungen wachrufen würde etc.
Die Balance zwischen Anforderung und Kompetenz als Basis für „Flow“[9]

Zusammenfassung[10]
Das bewusste, willentliche „Ich“ und die unwillkürlichen (zu einem erheblichen Teil auch unbewusste Prozesse von Stamm- und Zwischenhirn) müssen jeweils zu einer optimalen Synergie gebracht werden.
Wir erzeugen zwar nicht unser Leben selbst, aber im Wesentlichen unser Er- Leben! Je nachdem wo wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken.
Werden Probleme bzw. Symptome usf. erlebt, kann das immer als Zeichen dafür gewertet werden, dass diese beiden Ebenen des Erlebens gerade nicht in Synergie zusammenarbeiten, sondern eher gegeneinander gerichtet wirken.
Erleben, Wahrnehmung und Verhalten wird, wie nach allen Erfahrungen diverser Beratungsmodelle, wie auch die moderne Hirnforschung eindeutig zeigt, nicht nur durch Prozesse der Großhirnrinde mit der bewussten Vernunft und Sprache gesteuert, sondern ganz entscheidend durch Prozesse aus dem Stamm- und Zwischenhirn. Diese sind immer schneller und stärker als die Prozesse der Großhirnrinde. Weshalb der renommierte Hirnforscher Gerhard Roth sagt:
„Der Vorstand im Gehirn sitzt sicher nicht in der Großhirnrinde, sondern im Zwischenhirn, die Großhirnrinde ist höchstens ein guter Berater.“
G. Schmidt fügt gerne hinzu:
Die Großhirnrinde ist auch oft ein guter „Pressesprecher“, der Aktion / Reaktion aus dem Stamm- und Zwischenhirn als rational sinnvolle Maßnahmen darzustellen versucht.
Da Prozesse von Stamm- und Zwischenhirn aber immer schneller und stärker sind als die Großhirnrinde, werden sie sich dann durchsetzen gegen Willentliche-Bewusste und das bewusste willentliche „ICH“ erlebt sich dann als ohnmächtiges, ausgeliefertes Opfer dieser Prozesse.
Ziel sollte immer sein: Optimal wirksame Kooperation zwischenwillentlichem „Ich“ und unwillkürlichen Prozessen, die autonom immer schneller und stärker wirken als alles Willentliche.
Indem dabei schon von „positiven“ (und damit implizit auch von „negativen“) Emotionen usf. gesprochen wird, aktivieren sie evtl. auch auf diese Weise neurologische Netzwerke antagonistischer Kämpfe zwischen diesen so benannten Teilbereichen in der Gesamtpersönlichkeit. Aus dieser Sicht gibt es keine „negativen“ oder „positiven“ Emotionen, sondern nur Emotionen, die alle als wertvolle Kompetenzen für diverse Kontexte und Ziele die im Laufe der Evolution entwickelt wurden und somit alle sehr nützlich sein können. „Ein gutes schlechtes Gefühl.“
Das Gefühl die Emotion als Botschafter für wichtige |
Sie haben keine Sprache (limbisches Gehirn), deshalb brauchen wir einen Übersetzer. (siehe Brücke zwischen Kognition und Intuition)
Alle vom „Glücks-Erleben“ gerade abweichenden Erlebnisprozesse sollten deshalb aus hypnosystemischer Sicht übersetzt werden als wertvolle Informations-Feedback-Schleifen, die auf wichtige Bedürfnisse hinweisen, bei denen gerade ein Mangel erlebt wird, wenn bspw. beim Autofahren der Sicherheitsgurt nicht angelegt ist und ein störendes akustisches Signal ertönt, würde man dies auch nicht als „negatives“ Zeichen und als Defizit ansehen, auch wenn „es stört“, sondern als wertvollen Hinweis darauf, etwas so zu ändern, dass „ES“ wieder für den erlebenenden Beobachter stimmt. Anmerkung: Somatische Marker (Damasio).
Descartes’ Irrtum
In seinen Abhandlungen Descartes’ Irrtum, Ich fühle, also bin ich (The Feeling of What Happens: Body and Emotion in the Making of Consciousness) und Der Spinoza-Effekt (Looking for Spinoza) untersucht Damásio vor allem die
-->Wechselwirkungen zwischen Körper und Bewusstsein
und kommt – durch zahlreiche empirische Belege – zu dem Schluss, dass die jahrhundertelang angenommene, vor allem von Descartes postulierte, Trennung zwischen Körper und Geist (Dualismus) ein Irrtum sei. Stattdessen konstatiert er einen unauflösbaren Zusammenhang zwischen Körper und Geist, die sich ständig gegenseitig beeinflussen. Seine These der Untrennbarkeit zwischen Geist und Materie untermauert Damásio u.a. durch zwei Fallbeispiele:[11]
1. Fall: Elliot
Als einen „modernen Phineas Gage“ beschreibt Damásio einen seiner Patienten, dem aufgrund eines Tumors ein Teil des präfrontalen Cortex entfernt wurde. Nach dem operativen Eingriff veränderte sich auch Elliots Persönlichkeit radikal. Zwar kommt es auch bei ihm nicht zur Einschränkung von kognitiven, motorischen oder sensorischen Fähigkeiten, jedoch weist er eine empfindliche Störung seiner Entscheidungsfähigkeit und einen Mangel an Gefühlen auf. Bilder von Situationen, die ihn einst erregten, lösen nun bei ihm keinerlei Reaktionen aus. Die Korrelation zwischen Gefühlsarmut und Entscheidungsunfähigkeit führt Damásio zur Theorie der somatischen Marker.
2. Phineas Gage
1848 wird Phineas Gage, damals 25-jähriger Vorarbeiter bei einer Eisenbahngesellschaft, Opfer eines schweren Unfalls. Er wird durchbohrt von einer Eisenstange, vom linken Wangenknochens bis zu den vorderen Schädelknochen durch Gages Schädel. Trotz des schweren Unfalls ist Gage während der gesamten Zeit bei Bewusstsein und ist als Überlebender in der Lage, über den vollständigen Hergang des Unfalls zu berichten. Seine Verletzung heilt innerhalb von zwei Monaten und die Ärzte stellen keine Beeinträchtigung von Wahrnehmung, Gedächtnisleistung, Intelligenz, Sprachfähigkeit oder Motorik fest.
Nach dem Unfall kommt es zu auffälligen Persönlichkeitsveränderungen. War er zuvor verantwortungsbewusst, besonnen, ausgeglichen und freundlich, erscheint er seiner Umgebung nun zunehmend ungeduldig, launisch, wankelmütig und respektlos. Darüber hinaus kommt es zu einer Störung seiner Entscheidungsfähigkeit: Er trifft Entscheidungen, die seinen Interessen offensichtlich zuwiderlaufen, er kann seine Zukunft nicht mehr vernünftig planen und erleidet als Folge einen beruflichen und sozialen Abstieg.
Damásio stellt darauf die Hypothese der somatischen Marker auf: Als neuronales System, das den Erwerb der somatischen Marker erlaubt, glaubt Damásio die präfrontalen Rindenfelder im Gehirn lokalisiert zu haben. Seine Theorie von den somatischen Markern erklärt den Zusammenhang zwischen den beiden Fällen: Gefühlsstörungen und ihrer Unfähigkeit, sich zu entscheiden, und stellt den offenbar unauflösbaren Zusammenhang zwischen rationalen Entscheidungsprozessen und Gefühlen auf. Es entsteht die Hypothese der somatischen Marker (englisch: somatic marker hypothesis, kurz SMH); Sie ist eine Theorie der Neurobiologie über menschliches Entscheidungsverhalten. Nach der SMH sind emotionale Erfahrungen im Menschen verkörperlicht und beeinflussen so Entscheidungen. Formuliert wurde die SMH von Damasion, Antonio R. (1998).
„Intuition ist der Kompass der Seele.“ – Anonym
Exkurs Somatische Marker. Signale ??? titel
Somatische Marker sind körperliche Signale oder Gefühle, die uns angeben, ob unser emotionales Erfahrungsgedächtnis eine Situation im Bruchteil einer Sekunde und (zunächst) unbewusst als gut (funkelnde Augen, angenehme Gänsehaut) oder schlecht beurteilt (Kloß im Hals, der Atem stockt, Bauchkribbeln, hochgezogene Augenbraue). In Entscheidungssituationen kommt somatischen Markern eine entscheidende Bedeutung zu, selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Dieses System ist ununterbrochen aktiv. Erst wenn etwas für uns Unbekanntes eintritt, werden wir aufmerksam und können dann mit dem Verstand bewusst bewerten, ob und was zu tun ist. Diese Marke sind automatische Körperreaktionen als Signal der emotionalen Befindlichkeit. Er wirkt als Startsignal für eine Handlung oder auf unbewusster Ebene als Alarmsignal und Vorwarnung.
Was sind somatische Marker?[12]
Da diese Körpersignale eine bestimmte Situation als gut oder schlecht markieren (bewerten), bezeichnet sie Damásio als „Marker“. Die Hinweise kommen aus dem emotionalen Erfahrungsgedächtnis und steuern unser Vermeidungs- und Annäherungsverhalten. Treten in einer bestimmten Situation positive Gefühle auf, etwa Freude, ist das ein Zeichen für Annäherung („go“). Treten negativ bewertete Gefühle auf, etwa Ekel, dann werden wir etwas nicht machen – uns abwenden („stop“).Das Bewertungsschema des emotionalen Erfahrungsgedächtnisses ist schlicht. Es signalisiert uns „Stop“ oder „Go“(Ja oder Nein). Es ist völlig egal, welches Gefühl auftritt – Gefühle haben einzig die Aufgabe „stop“ oder „go“ zu signalisieren.
Somatische Marker den Verstand nicht ersetzen, weil sie uns keine weiteren Informationen liefern, außer Annäherung oder Vermeidung. Der Verstand (verortet im Großhirn) kann jedoch den Grund des Signals herausfinden. Somatische Marker treten in der Regel auf, bevor es zu verstandesmäßigen Aktivitäten kommt. Sie fällen wichtige Vorentscheidungen. (erstes Gefühl bzw. Körperreaktion). Das ist vielen Menschen nicht bewusst. Wer seine somatischen Marker wahrnehmen kann oder wahrnehmen lernt, ist eindeutig im Vorteil. Er hat erst dann die Möglichkeit herauszufinden, welche Gründe für oder gegen eine Handlung sprechen und ob er sein Verhalten ändern will oder nicht.
Ein einfaches Beispiel[13] mag dies verdeutlichen. Eine Studentin wartete zwei Jahre auf einen Studiumsplatz. Endlich bekam sie einen, doch anstatt sich zu freuen, stieß sie auf großen inneren Widerstand. Dieser Widerstand äußerte sich durch ein flaues Magengefühl, verbunden mit Trauer. Die Stadt war ihr nicht bekannt. Deshalb zweifelte sie daran, ob sie die richtige Wahl für das Studienfach bzw. den Ort getroffen hat. Nachdem sie sich etwas Zeit genommen hatte, um genauer zu forschen, mit welchen vergangenen Erfahrungen ihre Empfindungen und Gefühle zusammenhängen könnten, fand sie heraus, dass ihre erste unglückliche Liebe aus dieser Stadt kam. Ihre somatischen Marker, die eindeutig „stop“ signalisierten, hatten nicht das Geringste mit der Wahl ihres Studiums oder der Stadt selbst zu tun. Sie war froh, den genauen Grund ihrer Gefühle herausgefunden zu haben und konnte sich im Anschluss über den Studienplatz freuen.
Somatische Marker melden sich bei jedem Menschen individuell, sie werden sehr verschieden wahrgenommen:
Herzklopfen, Kribbeln am Knie, Schweißausbruch, Zittern, angenehmes Gefühl im Bauch. Gefühle, z. B. Neugier, Freude, Aggression, Angst, Trauer, Interesse. Geschehnisse im Kopf, z. B. lichte, helle Weite im Kopf, Freiheitsgefühl im Kopf.
Für viele Menschen einfacher, leichter negative Marker wahrzunehmen als positive. Der Grund dafür ist unser emotionales Erfahrungsgedächtnis (Überleben) notwendig „Gefahren“ schnell zu erkennen. Doch es ist ebenso wichtig zu lernen die positiven Marker wahrzunehmen.
„Intuition ist nicht der Feind, sondern der Verbündete der Vernunft.“
John Kord Lagemann
Somatische Marker melden sich nicht nur vor anstehenden Entscheidungen, sondern treten bei allem auf, was wir tun und was uns begegnet, z. B. auch, wenn wir nur ein Wort hören. Somatische Marker kommen blitzschnell und sind manchmal sehr fein. Oft verbunden sind Änderungen der Atmung und Herzfrequenz. begleitend Körperkoordination Mimik, Gesten. Sprache und Para-Sprache aber auch Erröten, Blass werden, Veränderung Pupillen usf.
Die negativen somatischen Marker können sein (Bsp.):
- Kloß und Engegefühl im Hals
- Angst, Ärger
- Tränen
- weiche Knie, Zittern in den Beinen
- flauer Magen, leichte Übelkeit oder Druckempfindungen
- hochgezogene Schultern (angekrampfte Muskeln)
- Enge in der Brustkalte
- kalte Hände – all das sind Körperempfindungen, die auf unseren emotionalen Erfahrungen beruhen.
Positive somatische Marker (Bsp.):
- leichtes Kitzeln im Bauch, warmes wohltuendes Gefühl im Bauch
- Tränen vor Freude
- Lächeln, leichtes Anheben der Mundwinkel
- Magenhüpfen, Freude, Kribbeln
- Leichtigkeit, Helle im Kopf
- fließende, lösende Empfindungen im Körper
„Der intuitive Verstand ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, die den Diener ehrt und die Gabe vergessen hat.“ – Albert Einstein
Umgangssprachlich ein „gutes Bauchgefühl“, „seinem Herzen folgen.“ Holen Sie unbewusste Bedürfnisse ans Licht, steigern die Motivation und eine intensive Lernwirkung. Sinnvoll ist es auf das kluge System zu hören und zu vertrauen – jedoch mit Verstand. All zu oft unterwerfen wir uns einseitig dem Primat des rationalen Verstandes und lassen das „Irrationale“ besser kluges, intuitives Wissen außen vor. Würden wir es nutzen, so ebnen damit den Weg für Einklang mit Körper und Geist (Kognition und Intuition und schaffen Wohlbefinden. Außerdem wirken wir so Stress entgegen. Denn es kommt zu Stress, wenn wir uns in Situationen begeben, obwohl unser Körper uns davon abrät.
Bei den somatischen Markern handelt es sich um Körperempfindungen, die als Hinweis auf unbewusste Wünsche und Bedürfnisse dienen. Diese Marker helfen, emotionale Signale zu erkennen und zu nutzen, um Entscheidungen zu treffen, die sowohl kognitiv als auch emotional unterstützt werden. Daher ist es nützlich:
- somatische Marker wahrnehmen
- wie wir somatischen Marker wahrnehmen
- welche somatischen Marker wir wahrnehmen
Hinweis: Storch, Maja. (2020): Upload: GUTE ENTSCHEIDUNGEN TREFFEN Die Pizza-Probe.[14]
Über die Sprache zum Bauchgefühl[15]
Die Wahrnehmung von somatischen Markern und sein eigenes Bauchgefühl zu erkennen geht über die Sprache. Vor Entscheidungen haben wir emotionale und körperliche Reaktionen.
Übung: Fünf verschiedene Begriffe aus dem Alltag:
„Wäsche waschen, Sonnenschein, Kochen, Finanzamt, Spielen, Kuss“.
- Schreiben Sie die Begriffe auf einzelne Zettel oder Karten.
- Bilden Sie Unterschiede:
Nehmen Sie sich eine der Karten und beschreiben Sie genau Ihr
Gefühl, bzw. die Körperreaktion wenn Sie an diesen Begriff denken. Gehen Sie hierzu folgende Fragen durch:
- Fühlt es sich eher eng oder eher weit an?
- Ist das Gefühl eher im Bauch oder in der Brust?
- Fühlt es sich hell oder dunkel an?
- Ist es weich oder eher hart?
- Fühlt es sich leicht oder eher schwer an?
- Kalt oder warm?
Testen Sie Ihre innere Ampel „go/stop“ (Ja/Nein) an realen (kleinen) Entscheidungen:
Das genaue Beschreiben der Begriffe oben hilft Ihnen, zu trainieren, wie Ihr Körper auf innere Bilder (Vorstellungen) reagiert. Probieren Sie diese Fähigkeit nun an kleinen Entscheidungen im Alltag aus. Zum Beispiel bei der Wahl zwischen Pasta und Pizza im Restaurant. Denken Sie an Pasta und gehen Sie innerlich die oben beschriebenen Fragen durch:
- Was ändert sich, wenn Sie danach an Pizza denken?
- Gibt es Unterschiede? Vergleichen Sie
- Mit welcher Entscheidung fühlen Sie sich wohler?
Weitere erforschende Fragen:
Wo taucht die Vorstellung im Raum auf? (Kategorien: wie weit entfernt, welche Richtung?, oberhalb/unterhalb der Augenlinie?, Farbe oder Schwarzweiß?, bewegt oder fest, begleitet von welchen Klängen, Geräuschen, Musik oder einhergehend mit welchem inneren Dialog? Gerüchen/ Düften, Geschmack usf. (siehe auch Submodalitäten der Sinne)
[… Benutzen Sie Ihr Gehirn einfach wie eine Suchmaschine im Internet – sozusagen als »Gehirn-Google«. Sobald Sie ihm einen Begriff geben, sucht es nach allem, was dazu passt, und liefert Ihnen die Auswertung Ihrer persönlichen »Stiftung Warentest« via somatische Marker gleich mit.] (Maja Storch)[16]
Somatische Marker helfen uns dabei, resiliente Entscheidungen zu treffen, mit denen sowohl unser Kopf, als auch unser Körper sich wohl fühlen. Schaffen Sie mehr Wohlbefinden durch das Einbinden Ihres Bauchgefühls!
Nur einzig auf den Verstand zu vertrauen oder nur alleine auf die Intuition zu vertrauen können Inkongruenzen erzeugen. Gerade die kognitive differenzierte Nutzung der aus dem Intuitiven kommenden ja/nein und der daraus folgenden emotionalen und körperlichen Reaktion sind eine Strategie für kluge Entscheidungen und wir können es wahrnehmen. Auch Kategorien aus dem Tetralemma lassen sich einbeziehen:
„entweder oder“, „sowohl als auch“, „weder noch“(keines), oder „ganz etwas anderes“ oder: „selbst das nicht“.
„Vertraue auf deine Intuition und lass deinen Verstand deine
Entscheidungen rationalisieren.“ – Tony Robbins
Wenn es Ihnen in der italienischen Pizzeria nach o.g. Wahl so danach ist, dass Sie sagen; „Jawohl“: Ein Glas Montepulciano und Spaghetti Frutti di Mare. Salute! Buon appetito.
Buonasera. Benvenuti signore e signori. Bene. Mangiare?
Stellen Sie sich bitte eine Italienerin oder Italiener vor. Beachten Sie die Klangfarbe wenn das Worte „Mangiare“ von einer Italienerin oder einem Italiener ausgesprochen wird und achten Sie auf die Geste, die damit einhergeht.
Der Löwe sagt zum Dompteur ich habe Hunger
und Du hast Angst.[17]
[1] u.a. Gunther Schmidt(2022): Reden reicht nicht!?
[2] https://www.youtube.com/watch?
v=FSzwNM3LP2c&ab_channel=Carl-AuerVerlag
[3] Z.B. https://www.systelios.de/klinik/konzept/hypnosystemik; G. Schmidt
[4] Dennison, Paul E., Dennison, Gail, E.
[5] https://www.geo.de/wissen/forschung-und-technik/beruehrungen--warum-wir-uns-staendig-selbst-ins-gesicht-fassen-32522180.html
[6] Aus einer Sitzung H.R.
[7] Cameron-Bandler, Leslie, Lebeau, Michael (1997): Die Intelligenz der Gefühle, Grundlagen der „Imperative Self Analysis“, Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, Paderborn.
[8] https://www.psychologie-to-grow.de/blog/gefhle-die-botschaften-deiner-psyche
[10] Transskript aus einem Vortrag von G. Schmid
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Ant%C3%B3nio_R._Dam%C3%A1sio
[12] https://www.philognosie.net/persoenlichkeit/somatische-marker-koerpersprache-des-unbewussten#was_sind_somatische_marker
[13] https://www.philognosie.net/persoenlichkeit/somatische-marker-koerpersprache-des-unbewussten
[14] Storch, M. (2020): Upload: GUTE ENTSCHEIDUNGEN TREFFEN Die Pizza-Probe. 222
[15] https://www.resilienz-akademie.com/abc-der-resilienz/somatische-marker/
[16] Storch, M. (2020): Auszug: Upload: GUTE ENTSCHEIDUNGEN TREFFEN Die Pizza-Probe.(pdf)
[17] Aus dem italienischen Sprachbuch Avanti! Avanti!, rara-avis-verlag Harald Rempt, Hersbruck.